süd'n-Magazin, Sommer 2019

 

 

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Auf einen Kaffee mit …

 

… Nadja Mayrhofer, Inhaberin des Kaffe Hörna in der Scheurlstraße. Und das ausgerechnet mit mir, einer eher untypischen Kaffeehaus-Sitzerin. Ich muss gestehen, mir fehlt das nötige Sitzfleisch.

 

Heute war Nachmittagskaffee-Premiere mit einem doppelten Espresso der Hausmarke, einem Brazil-Kenia Blend. Er ging runter wie Öl. Die Bohnen stammen aus direktem, transparentem Handel und werden in Nürnberg geröstet. Seit einem halben Jahr ist sie die Chefin des Kaffe Hörna. Von Kufstein, wo sie geboren und aufgewachsen ist und zur Schule ging, kam sie über Berlin nach Nürnberg. Der Umweg dauerte vier Jahre. Nachdem sie das Gastrohandwerk von der Pike auf gelernt und in den letzten Jahren Erfahrungen in unterschiedlichen Kaffeeröstereien gesammelt hatte, zog es sie 2015 in die deutsche Hauptstadt. Sie wollte ihren Kaffeehorizont erweitern, sich vermehrt mit Kollegen aus der Branche austauschen, Großstadtluft schnuppern, sich weiterentwickeln.

 

In der Spezialitätenkaffeerösterei, in der sie dort arbeitete, lernte sie den früheren Hörna-Inhaber Patrick kennen. Und das auf recht witzige Art: Zwei Freundinnen von Nadja waren auf dem Weg von Kufstein nach Berlin. Ein innerer Impuls führte die beiden frühmorgens zum Frühstücken direkt ins Hörna. Es stellte sich heraus, dass Patrick und sein Team im Rahmen des jährlich stattfindenden Berlin Coffee Festivals am selben Tag ebenfalls nach Berlin fahren. So trafen sich alle in der Rösterei in Berlin. Menschlich und kaffeetechnisch auf einer Wellenlänge, das stellte sich bei Patrick und Nadja sehr schnell heraus. Patrick wollte sich in Berlin beruflich verändern und so kam es quasi zum „Tausch der Städte“ – im übertragenen Sinn.

 

Nadja muss unser Gespräch mehrmals kurz unterbrechen, Gäste begrüßen, Kaffee zubereiten. Ihre Mitarbeiterin, die heute um 15 Uhr ihren Dienst beginnen sollte, ist leider krank geworden und keiner der beiden anderen konnte einspringen. Für einen Mittwochnachmittag ist das Kaffee Hörna gut besucht. Am Nebentisch findet ein sechsköpfiges Business-Meeting statt, draußen sitzt eine Gruppe angeregt plaudernder, junger Leute. Es herrscht reges Kommen und Gehen, dazwischen genießen die Gäste frisch gebrühten Filterkaffee, Cappuccini oder einen Cold Drip. Letzterer ist etwas für geduldige Genießer, in einer speziellen Apparatur, eine Kombination aus Glaskanne und -Ballon, die man eher in einem Forschungslabor vermutet, tropft alle zwei Sekunden Wasser auf das grob gemahlene Kaffeemehl. Zwölf bis vierzehn Stunden dauert es, bis die Kanne voll ist.

 

Ein Mann aus der Business-Gruppe ordert nochmal Cappuccino und Käsekuchen, dann können wir unsere Unterhaltung fortführen. Ich frage Nadja, warum sie wochentags bereits ab 7 Uhr geöffnet hat. Ganz einfach, ihr ist es wichtig, auch für „frühe Frühaufsteher“ da zu sein, auf dem Weg in die Arbeit oder für Pendler Richtung Bahnhof. Doch da ist viel mehr: „Wir, das Hörna-Team, möchten ein Teil eures Tages sein, und zwar ein Besonderer“, sagt Nadja. „Euer Tag soll dadurch noch besser werden. So, als hättet ihr eine Pause auf einer Insel eingelegt“. Ihre ersten Kunden am Morgen sind Berufstätige und Pendler, die Straßenbahnhaltestelle vor der Haustür und der, nur einen Steinwurf entfernte Hauptbahnhof, sind da ein großer Vorteil. Die Einen trinken ihren Kaffee gleich vor Ort, andere lassen ihn sich in den mitgebrachten Becher füllen. Man kann auch einen der kompostierbaren Becher einer Berliner Firma erwerben. Sie bestehen aus Kaffeesatz, Buchholzfasern, Zellulose und und einem Biopolymer. Übrigens, die erste Füllung ist kostenlos und es gilt „make taste not waste“. Zum Anbeißen sind übrigens auch die berühmten Zimtschnecken nach original Göteborger Rezept, die Kuchen und die herzhaften Gebäcke. „Aktuell wird an einer neuen Kreation gewerkelt“, so Nadja. Die Kanelbullar bekommt also eine Schwester.

 

Mit dem Cuptasting wird Nadja eine weitere Hörna-Tradition beibehalten. Sie fragen sich, was sich hinter diesem Begriff verbirgt? – Ein Cuptasting ist eine professionelle Beurteilung von Kaffees. Auf diese Art und Weise verkostet und beurteilt auch der Kaffeefarmer sein Produkt, ein Rohkaffeehändler, ein Röster, der Barista und jeder, der möchte. „Wir sehen es als eine unserer Aufgaben, die Teilnehmer und auch unsere täglichen Gäste wieder näher an geschmackliches und an generelles Bewusstsein heranzuführen. Und zu erzählen, welche Gründe es für die qualitativen und geschmacklichen Unterschiede gibt“, sagt Nadja. Über die Herkunft, unterschiedliche Kaffeearten, Aufbereitung, Röstung und Preisgestaltung von Kaffee wird erzählt, kurz: „a lot about coffee“. Beim Cuptasting im Hörna werden etwa acht Kaffees verkostet. Einer davon kann ein „sehr spezieller Kaffee“ sein, wie ihn Nadja nennt. Ein Kaffee mit einem entweder geschmacklichen Defekt, einem sehr dunklem Röstgrad oder mit einer komplett „nicht optimalen Zubereitung“ wird meist miteingebaut. Auf der Suche nach der Antwort, warum ein Kaffee wie schmeckt, wie man ihn beschreibt oder Gäste, die ihre persönliche geschmackliche Richtung finden möchten, alle sind willkommen.

 

Auch das Mini-Hörna wird es weiterhin geben, das Kaffee-Catering. Firmen und Privatleute können sich für Feiern oder Jubiläen das Kaffe Hörna quasi „nach Hause“ holen, auf Wunsch auch mit Kuchen, Zimtschnecken und weiteren Freuden.

 

Kaffee ist das aromareichste Genussmittel auf unserem Erdball. Noten von

A wie Ananas über Beeren und Nüsse bis zu Z wie Zitrusfrüchten – abhängig von den geografischen sowie klimatischen Verhältnissen im Anbauland, der Bodenbeschaffenheit, der jeweiligen Varietät, der Aufbereitung, Weiterver-arbeitung, Röstung, Zubereitung – eine ganze Menge. Auf die Frage, welcher

ihr absoluter Lieblingskaffee ist, kommt eine lächelnde Antwort von Nadja:

„Es gibt so unfassbare Kaffees, und zwar sehr viele“. Einer ihrer Lieblinge ist eine Varietät mit Namen Pacamara. Ein Mann in El Salvador hat Jahrzehnte seines Lebens damit verbracht, diese Kreuzung aus zwei Arabica-Varietäten, Pacas und Maragogype, zu züchten und erstmals in El Salvador anbauen zu können. Vor gut 5 Jahren hatte sie den Mann in El Salvador mit ein paar Kaffeekollegen kennengelernt. Der Pacamara zeichnet sich durch einen sehr hohen Zuckeranteil in den Bohnen aus, was sich in einer sehr breiten Aromatik wiederspiegelt. Eine Kaffeevarietät ist im Übrigen zu vergleichen mit einer Rebsorte beim Wein. Es passiert gerade sehr viel in den Anbauländern. Entwicklung in den Möglichkeiten des Anbaus, neue Aufbereitungsmöglich-keiten, führen zu verrückten Geschmackserlebnissen. Wahnsinn, so Nadja.

 

Beim nächsten Besuch werde ich einen Filterkaffee probieren und gleich die Sache mit dem Kaffeehaus-Sitzfleisch üben. Vielleicht nehme ich noch eine hausgemachte Limonade und als Krönung einen Cold-Drip, den Kaffee für Geduldige. Bei Spitzenkaffee wie im Hörna, sollte das eine meiner leichtesten Übungen werden.

 

Text: LiLo Seidl & Nadja Mayrhofer, Fotos: süd'n-Magazin, Flavia Zaunseder

© 2019

 

 

Kaffee Hörna

Scheurlstraße 11

90478 Nürnberg

 

Mo u. Die:  Ruhetag

Mi bis Fr:    7 - 18 Uhr

Sa u. So:   10 - 18 Uhr

 

www.kaffehoerna.de

 

 

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LiLo Seidl, Autorin
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